Anfang August 2026 begegnen dir beim Sparen zwei sehr unterschiedliche Zahlen. Die erste steht im Tagesgeld-Vergleich: Das beste Angebot bringt laut Finanzfluss glatt 4,00 Prozent pro Jahr, mit vier Monaten Zinsgarantie. Solche Spitzenzinsen sind fast immer befristete Neukunden-Aktionen, je nach Bank meist zwischen drei und sechs Monaten garantiert, danach gilt der normale, variable Zins der Bank, beim aktuellen Spitzenreiter sind das 2 Prozent. Die zweite Zahl steht in keinem Tagesgeld-Vergleich. Sie stammt aus der Werbung eines P2P-Anbieters: Ein Konto namens Monefit SmartSaver verspricht 7,5 Prozent, angeblich täglich verfügbar und ganz ohne Ablaufdatum. Fast doppelt so viel Zins, gleiche Flexibilität. Wo ist der Haken?

Der Haken beginnt schon beim Etikett „Tagesgeld-Alternative“. Monefit selbst nennt sein Konto nämlich nirgends so, beworben werden tägliche Erträge und jederzeitige Auszahlung. Im Gegenteil: Auf der eigenen deutschen Produktseite steht wörtlich „SmartSaver ist kein Sparkonto – daher greift für dein Kapital keine staatliche Einlagensicherung“, und weiter, mit dem Investment finanziere man „Verbraucherkredite, die die Unternehmen der Creditstar Group an Privatpersonen in ganz Europa vergeben“. Deutlicher kann ein Anbieter kaum sagen, was sein Produkt ist. Das Tagesgeld-Etikett kleben ihm andere an: P2P-Blogs, Vergleichsseiten mit Provisions-Links und Finfluencer-Videos, also genau die Kanäle, die an der Vermittlung mitverdienen. Wer den Begriff dagegen in eine Suchmaschine tippt, landet meist bei Festgeld und Geldmarkt-ETFs. Das Etikett klingt nach einem besseren Sparkonto. In Wahrheit steckt dahinter meistens etwas ganz anderes.

Was diese Konten wirklich sind

Klassisches Tagesgeld ist eine Sichteinlage bei einer Bank. Du leihst der Bank dein Geld, sie darf es nutzen, und du kannst es jederzeit abheben. Der entscheidende Schutz: die gesetzliche Einlagensicherung. In der EU sind Bankguthaben nach der Richtlinie 2014/49/EU bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank abgesichert. Geht die Bank pleite, springt der Sicherungsfonds ein.

Angebote wie Bondora Go & Grow, Twino Flexi oder Monefit SmartSaver funktionieren anders. Hinter dem freundlichen Kontonamen steckt ein P2P-Kreditprodukt. P2P steht für „Peer to Peer“, also Privatperson zu Privatperson. Dein Geld landet nicht auf einem geschützten Bankkonto, sondern wird in Konsumentenkredite gesteckt. Bondora etwa verleiht das Geld nach eigenen Angaben an Kreditnehmer in Ländern wie Estland, Spanien und Finnland. Bei Monefit refinanziert die Creditstar-Gruppe, laut P2P-Game einer der größten Konsumentenkreditgeber Europas, damit Kurzläufer-Kredite, häufig kleine Sofortdarlehen. Du bist also wirtschaftlich der Geldgeber für fremde Ratenkredite.

Das ist der ganze Unterschied: Beim Tagesgeld bist du Gläubiger einer regulierten Bank mit Sicherungsnetz. Beim P2P-Konto bist du Kreditgeber ohne Netz.

Warum überhaupt so viele Prozent?

Die Höhe der Zinsen ist kein Marketing-Bonus. Sie ist eine Risikoprämie: Je unsicherer die Rückzahlung, desto mehr Zins muss geboten werden, damit jemand mitmacht.

Wie groß dieser Aufschlag sein kann, zeigt ein Diskussionspapier der Bundesbank zum deutschen Markt: Bei P2P-Konsumentenkrediten über die Plattform Auxmoney lag der durchschnittliche Zinssatz in den untersuchten Jahren 2011 bis 2014 bei 12,75 Prozent. Das ist der Zins, den die Kreditnehmer zahlen. Auf der Anlegerseite sieht es ähnlich aus: Die Plattform Mintos kommt laut dem Portal Finanzwissen historisch auf durchschnittlich 11 Prozent Rendite, Capital berichtet von mehreren Anbietern, die mit rund 12 Prozent auf ihren Websites werben. Der Ratgeber Finanzsache beschreibt die Logik dahinter: Bei guter Bonität der Kreditnehmer liegt der Zins im unteren einstelligen Bereich, bei hoher Risikoeinstufung geht es bei einzelnen Anbietern bis etwa 15 Prozent hoch.

Das Verbraucherportal Biallo zieht deshalb einen unbequemen Vergleich: P2P-Kredite ließen sich eher mit Junk Bonds vergleichen, also Hochzinsanleihen von Unternehmen mit schwachem Rating, als mit dem Tagesgeld. Ein Zins deutlich über dem Marktniveau ist eben immer beides zugleich, Renditechance und Warnsignal für erhöhte Ausfallgefahr. Die 7,5 Prozent bei einem solchen Konto sind aus dieser Perspektive kein Schnäppchen, sondern der Preis für ein Risiko, das beim echten Tagesgeld schlicht nicht existiert.

Zur Einordnung der ganzen Spannweite: Das englischsprachige Portal Germany Handbook nennt für P2P-Konsumentenkredite typische Renditen von 5 bis 11 Prozent. Business Insider berichtet von 6 bis 18 Prozent bei Plattformen wie Bondora, Mintos und EstateGuru. Bondora Go & Grow und Twino Flexi zahlen laut P2P-Game derzeit je 6,00 Prozent, Monefit die eingangs genannten 7,5. Diese Anbieter liegen also am unteren Rand des P2P-Spektrums, weil sie besonders liquide sein sollen. Andere Produkte gehen weiter: Der Anbieter Modena verspricht laut P2P-Game für sein flexibles Dynamic Vault 7,5 bis 8,5 Prozent, für die Variante mit zwölf Monaten Bindung bis zu 11 Prozent.

Die drei Risiko-Ebenen

Dein Geld kann auf drei Ebenen verloren gehen. Der Reihe nach.

Einzelner Kreditausfall. Der Kreditnehmer zahlt nicht zurück. P2P-Kredite sind meist unbesichert, es gibt also kein Auto und keine Immobilie, die verwertet werden könnte, und keine Garantie auf Rückzahlung, wie die Direktbank comdirect in ihrem Magazin betont. Wie gründlich die Plattformen die Bonität prüfen, ist zudem eine eigene Frage: Bei Bondora bemängelte die estnische Finanzaufsicht Finantsinspektsioon im Sommer 2023 laut Finanztest die Prüfkriterien. Bei breit gestreuten Poolprodukten wie Go & Grow fällt ein einzelner Ausfall wenig ins Gewicht, solange nicht viele gleichzeitig ausfallen.

Pleite des Loan Originators. Auf Deutsch oft Kredit- oder Darlehensanbahner genannt: die Firma, die die Kredite ursprünglich vergeben und an die Plattform weitergereicht hat. Fällt sie aus, hängt die Rückzahlung von der Konstruktion dahinter ab.

Insolvenz der Plattform selbst. Hier wird es ernst. Finanzfluss zählt genau dieses Szenario zu den drei großen Risiken der Anlageklasse: Geht die P2P-Plattform pleite, kannst du dein investiertes Geld verlieren, denn deine Forderungen laufen über ihre Systeme, und ohne die Plattform kommst du an die Kreditnehmer kaum noch heran. Und es gibt keine Einlagensicherung, die im Fall einer Anbieterpleite einspringt.

Das ist keine theoretische Fußnote, es folgt direkt aus der Konstruktion: Die europäische Einlagensicherung schützt Bankeinlagen, und eine P2P-Forderung ist schlicht keine. Was beim Tagesgeld selbstverständlich mitgeliefert wird, fehlt hier komplett.

Ein Augenzwinkern sei an dieser Stelle erlaubt: Dass Banken sich hier unter Umständen verschärft äußern, kann man ähnlich betrachten wie Finfluencer, die vielleicht weniger kritisch unterwegs sind. Am Befund ändert das trotzdem nichts, denn die unverdächtigen Stimmen sagen dasselbe. Die BaFin ordnet Schwarmfinanzierungen dem Grauen Kapitalmarkt zu und warnt, dass beim Scheitern ein Totalverlust droht; die estnischen Plattformen stehen dabei nicht einmal unter ihrer Aufsicht. Und Finanztest urteilt im Bondora-Check, Schwarmfinanzierungen seien für unerfahrene Anleger ungeeignet, ein Totalausfall des angelegten Geldes sei möglich.

Und die „tägliche Verfügbarkeit“?

Die Werbung verspricht flexible Ein- und Auszahlungen, so wie beim Tagesgeld. Das funktioniert, solange genug Anleger frisches Geld nachschieben und die Kredite planmäßig zurückfließen. Die Liquidität ist also kein Naturgesetz, sie hängt am laufenden Betrieb der Plattform. In ruhigen Zeiten merkst du davon nichts. Genau dann, wenn viele gleichzeitig aussteigen wollen, kann die versprochene Sofort-Verfügbarkeit ins Stocken geraten. Das muss man nicht aus zweiter Hand erfahren, es steht auf derselben Produktseite, die oben mit „Jederzeit Geld von deinem Hauptkonto abheben“ und „Keine Gebühren. Jederzeit verfügbar.“ wirbt: Weiter unten, im Kleingedruckten, heißt es, es sei „möglich, dass Sie nicht immer den gesamten Anlagebetrag sofort abheben können“, in diesem Fall erhalte man „stattdessen Auszahlungen in Raten“. Einen Vorgeschmack geben auch die Regeln im Normalbetrieb: Bei Monefit sind laut P2P-Game bis zu 1.000 Euro pro Monat sofort verfügbar, größere Beträge brauchen bis zu zehn Werktage. Und ausgerechnet die Creditstar-Gruppe, die hinter Monefit steht, hat laut derselben Quelle auf den Plattformen Mintos und Lendermarket schon monatelange Zahlungsverzögerungen und erzwungene Laufzeitverlängerungen von bis zu zwei Jahren hinter sich. Täglich verfügbar heißt hier eben: solange alles läuft.

Für wen was spricht

Für die P2P-Produkte spricht: Die Rendite liegt spürbar über dem Tagesgeld, und im Vergleich zu anderen P2P-Angeboten sind diese Konten breit gestreut und relativ liquide. Wer bewusst einen kleinen Teil des Geldes ins Risiko geben will und den möglichen Verlust verkraftet, bekommt hier eine transparente Renditequelle mit klarer Logik.

Dagegen spricht: Das Tagesgeld-Etikett, unter dem diese Konten vermarktet werden, weckt eine Sicherheitserwartung, die das Produkt nicht erfüllen kann. Keine Einlagensicherung, echtes Kreditrisiko, Liquidität nur bei laufendem Betrieb. Wer die 7,5 Prozent für die risikofreie Aufwertung seines Notgroschens hält, verwechselt eine Hochzinsanleihe mit einem Sparkonto.

Ein praktischer Trennstrich hilft: Geld, das du im Ernstfall sicher brauchst, gehört auf echtes, einlagengesichertes Tagesgeld. Die bis zu 4 Prozent dort gibt es ohne Ausfallrisiko, wenn auch meist nur für ein paar garantierte Aktionsmonate. Alles, was darüber lockt, ist eine eigene Anlageentscheidung mit eigenem Risikoprofil und keine bessere Version des Sparbuchs.

Und falls du dich gerade fragst, warum du von P2P-Krediten trotz solcher Zinsen hierzulande so selten hörst oder warum auch wir dazu nur veraltete Quellen finden: Genau dieser Frage widmen wir eine eigene Ausgabe. Was aus dem P2P-Hype von damals geworden ist, liest du im nächsten Artikel.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen bestimmte Produkte oder Plattformen dar. P2P-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden; ob und in welchem Umfang sie zu deiner Situation passen, entscheidest du allein.

Quellen & Transparenz